Mythen Monday
30. Oktober 2020
Kuh an einem spanischen Strand mit dem Schriftzug - Reicht Mitleid?
Reicht Mitleid?
13. November 2020
Ameisen ziehen an einem Strang

Wie ähnlich sind uns Ameisen?



Die Landwirtschaft – eine Erfindung des Menschen? Das wird oft geglaubt, es ist aber ein Irrglaube! Landwirtschaft wurde schon viel früher von wirbellosen Tieren „erfunden“. Und zwar von manchen Ameisenarten. Ameisen sind eusoziale Insekten, die in Staaten zusammenleben.

Kurz erklärt, was bedeutet Eusozialität? Tiere mit kooperativer Brutpflege, die gemeinsame Nahrungsbeschaffung und -verteilung praktizieren. Sie betreiben Arbeitsteilung und leben in Mehrgenerationen-verbänden. Das trifft eigentlich auf den Menschen auch zu.

Die Ameise ist oft sehr unterschätzt, denn man vermutet hinter ein oder zwei Tieren in der Küche keine riesige komplexe Kolonie. Aber heute wollen wir dir hier das Gegenteil beweisen. Ameisen sind irrsinnig spannende Tiere.

Ameisen haben die Teamarbeit perfektioniert, jeder hat eine Aufgabe und arbeitet perfekt mit den anderen zusammen. Sie gehen gemeinsam auf die Jagd, bilden Brücken mit ihren eigenen Körpern, über die andere Ameisen zu sonst unerreichbaren Zielen hinüberlaufen können und manche bauen sogar hängende Kolonien an Bäumen (Weberameise). Weberameisen können die Wohnkokons, die sie auf Bäume hängen gemeinsam festhalten und tragen damit das 200-fache ihres eigenen Körpergewichts. Ameisen sind unsere „Gesundheitspolizei“ im Wald, weil sie Kadaver von Tieren verwerten und den Boden auflockern. Nun könnte man denken: „Na gut, das sind ja nur ganz kleine Tiere, was können die schon bewirken?“ Tatsache ist jedoch, dass sie massiv am Gleichgewicht des Ökosystems beteiligt sind. Nur um einen kurzen Eindruck darüber zu erhalten, wie viele Ameisen es geben muss: Das Körpergewicht aller Ameisen zusammen ist um ein Vielfaches Größer als das aller Menschen. Als wären die oben genannten Fähigkeiten nicht schon faszinierend genug, die Liste der Errungenschaften von Ameisen geht weiter…

Die nahen Verwandten von Ameisen, die Termiten, bauen ihre Nester so, dass sie durch ein ausgeklügeltes thermodynamisches System permanent klimatisiert werden.

Bei der Erhaltung der Kolonie spielen unterschiedliche Arbeiterinnen eine Rolle – jene die die Nahrung nach Hause tragen, andere die für Sicherheit sorgen und solche, die neue Ressourcenquellen ausfindig machen. Gibt es Eindringlinge in den Bau, wird dieser mit vollem Einsatz verteidigt. Mit schmerzhaften Bissen und Ameisensäure versuchen sie die Eindringlinge wieder zu vertreiben. Gelingt aber nicht immer, Ameisenbären haben sich darauf spezialisiert, in Ameisenkolonien einzudringen und diese aufzufressen.

Aber nicht alle Ameisenarten suchen außerhalb ihres Baus nach Nahrung. Einige bewirtschaften eigene Kammern in ihren Nestern. Blattschneiderameisen ernten eine Fülle an Blättern, die sie in ihren Bau tragen. Dies soll als Düngemittel für einen speziellen Pilz fungieren, den sie somit pflegen und schließlich zu Nahrungszwecken ernten. Nicht nur, dass sie Landwirtschaft betreiben, Ameisen „halten“ auch Pflanzensauger (Blattläuse), um deren süßliche Ausscheidungen zu „melken“. Dazu berühren sie die Läuse mit ihren Antennen, bis sie einen großen süßen Pflanzensafttropfen ausscheiden. Diese Ko-Evolution ist sehr weit fortgeschritten, die Ameisen verteidigen ihre pflanzensaugenden Insekten mit dem eigenen Leben. Manchmal wenn die Pflanze, die die Blattläuse befallen zu Grunde geht, siedeln die Ameisen die Blattläuse sogar um, indem sie sie zu anderen Pflanzen tragen.

Außer unserem Aussehen unterscheidet uns Menschen also nicht so viel von dieser faszinierenden Insektengruppe.

Quelle: E.O.Wilson – Die Soziale Eroberung der Erde